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Horber Pferdetage am 30.+31. Juli 2011

VORGESCHICHTE:
Ich schaute etwas überrascht, als mich meine Reitersfreundin Ines letztes Jahr bat, ob ich nicht zu einer Besprechung mitkommen kann. Es ging um die Gartenschau in Horb, die für 2011 geplant war. Die Macher der Gartenschau sind auf die Idee gekommen, dass man da doch ein Wochenende mit Pferden machen könnte. Sie hatten in der Tagespresse dazu aufgerufen, dass sich doch Reiter aus dem Raum Horb melden sollen. Da ich keine Zeitung habe, ging das mal wieder voll an mir vorbei.
Ines wollte unbedingt, dass da ein Volks-, Stern oder Orientierungsritt angeboten wird. Da ich durch den Trekkingclub auf dem Gebiet etwas „vorgeschädigt“ war, dachte sie, dass ich da doch mein Händchen mit im Spiel haben sollte. Keine schlechte Idee, da könnte sich der ETCD doch präsentieren, war mein Gedanke.Also war ich bei der 2 Besprechung mit dabei. Und damit ich nicht so alleine bin, hab ich auch gleich Chris und Bernie Semmelmann Bescheid gegeben, so war die Vorstandschaft vom ETCD gleich mit dabei. Und prompt war ich mitten drin in der Vorbereitungen von den Pferdetagen. Ein Protokollführer fehlte. Drei mal darf geraten werden, wer das Protokoll schrieb. Richtig geraten – ich!
Es ging etwas wild hin und her. Volks- und Sternritte oder (noch verrückter, nach Meinung der anderen) ein Orientierungsritt kamen nicht sonderlich gut an. Immerhin wurde die Idee nicht sofort verworfen. So hatte ich dann mit dem Leiter der Eventagentur, der die Gartenschau organisierte und dem Gartenschaubeauftragten Manfred Bok, einen Besichtigungstermin auf dem zukünftigen Gartenschaugelände.
Horb liegt ja topografisch betrachtet für alle Arten von Ritten nicht sonderlich praktisch. Zwar schön gelegen im Neckartal, aber eingekesselt von der Autobahn, einer Bundesstraße und der Eisenbahn. Sonstige Wege, die Reiter gerne nutzen, sind ziemlich Mangelware. Nachdem sie uns die Fläche, die für die Gartenschau geplant waren, zeigten und dass man mit den Pferden nicht einfach so durch das Gelände reiten durfte erzählten, war leider schnell klar, mit der Gartenschau zusammen war Horb endgültig als Treffpunkt für einen Stern- Volks- oder Orientierungsritt unmöglich. Leider!

So gesehen wäre der Artikel ja somit zu Ende ...

ABER:
Die Gartenschauleute wollten ja die Pferde von Horb und Umgebung präsentieren. Die Reitvereine und die Dressur- und Springreiter hatten kein Interesse mitzumachen. Aber zum Glück gibt es ja genügend engagierte Freizeitreiter und Fahrer rund um Horb. Und ich mit vielen Ideen und Freunden, die in allen Sparten der Reiterei zuhause sind. Und natürlich den ETCD. Chris und Bernie hielten da toll zu mir.
Als „Aktionsfläche“ bekamen wir den ganzen Bereich, wo sonst jedes Jahr das Turnier und eines der Lager von den Horber Ritterspielen statt fand. Als Showfläche hatten wir jetzt nicht unbedingt die Idealmaße von einem Reitplatz. Mit 10 x 50 Meter ist die Sache zwar schön lang, aber dafür umso schmaler. Und dass es eine Rasenfläche ist, traf auch nicht jedermanns Begeisterung. Es war einfach Kompromissbereitschaft und Flexibilität von allen gefordert.

Es kamen immer mehr Vorschläge, wie man ein Wochenende rund ums Thema Pferd gestalten könnte zusammen. Bevor ich mich richtig umschauen konnte, war ich vom Protokollführer zum Mitorganisator von Herrn Bok aufgestiegen. Ein bisschen mulmig war mir ja schon. Ob ich das zeitlich neben meinem ganz normalen Beruf hinkriege? Aber es klang einfach zu spannend und Veranstaltungen organisieren tue ich ja auch leidenschaftlich gerne. Aber in so einer Größenordnung hab ich mich bis jetzt noch nicht bewegt.

Erste Feststellung, es fällt viel Schreibkram an! Sehr viel!

Horber Pferdetage 2011 mit dem ETCD - 01

Und es kommen immer mehr Aufgaben dazu. Man ist auf der Suche nach Mitwirkenden! Wir hatten z.B. einen Hufschmied, der ein Pferd fürs Publikum beschlagen wollte. Schön und gut, aber es soll ja auch Pferde geben, die ohne Hufeisen durchs Leben kommen. Also war ich wild entschlossen, dass auch ein Hufpfleger/in bei der Veranstaltung mitmacht und zeigt, dass Pferde auch barhuf gehen können oder eben mit Hufschuhen. Hui, das war gar nicht so einfach. Entweder sie hatten keine Zeit oder Lust oder unheimlich weit von Horb weg … außerdem lernte ich da noch so nebenbei, dass es ziemlich viele verschiedene „Schulen“ der Hufpflege gibt und die sich meistens gegenseitig nicht so toll finden. Ups, da war dann auch noch Diplomatie von mir gefragt.

Einigen der Pferdeleute ging es wie mir, sie hatten entweder keine Zeitung oder nicht ordentlich jedes Artikelchen gelesen – sprich: nichts von den Pferdetagen mitgekriegt. Also ging ich noch auf „Werbetour“ bei den verschieden Ställen rund um Horb. Jedes mal wieder von vorn erzählen und erklären. Und gleich noch klar machen, es ist alles ehrenamtlich, Fahrtkosten oder etwa eine Gage waren da nicht drin. Es zählte mal wieder die Liebe und Begeisterung für das Hobby Pferd. Oder wie ich trocken meinte, meine Bezahlung bestand aus Ruhm und Ehre, und wenn es ganz gut läuft, bekomm ich vielleicht noch einen feuchten Händedruck als Dankeschön oben drauf.

Je näher es an den Veranstaltungstag ging, um so öfters zweifelte ich, ob ich tatsächlich genügend Begeisterung bzw. einfach Zeit dafür habe.

Es ging einfach unheimlich viel Zeit dafür drauf, geschweige von Unmengen von Papier, Druckerpatronen und Briefmarken.

Horber Pferdetage 2011 mit dem ETCD - 02

Mein Pferdchen sah mich in der Zeit am wenigsten. Super, und wir waren voll im Programm mit dabei! Mir wurde schlecht, wenn ich nur dran dachte, was wir eigentlich üben sollten und nicht dazu kamen, der Tag hatte immer noch nur 24 Stunden, ich hätte nur zu gerne einige Stunden jeden Tag an die schon vorhandenen 24 drangehängt. Ein Glück, dass ich auch in Horb arbeite und wir ein super Gleitzeitmodell haben. So ging es, dass ich öfters von der Arbeit weg zu einer Besprechung springen konnte und arbeitete dann eben danach die Zeit wieder rein. Wie gesagt, Tamino sah ich meistens nur spät nachts und seinem Blick nach zu urteilen, störte ich ihn des Öfteren in seiner wohlverdienten Nachtruhe!!!! Geschweige dass wir noch übten, wollte ich mir nicht gerade den Unmut vom Stall zuziehen (und meines Pferdchens), wenn ich nach 21 Uhr oder noch später noch auf die Idee gekommen wäre, den Reitplatz zu stürmen….

Im Zeitalter von Internet ging ich auch davon aus, dass alle, die mir eine E-Mail-Adresse gegeben haben, ihre Mails auch regelmäßig lesen. Seinen Briefkasten am Haus macht man doch auch jeden Tag auf und schaut rein. Ein Irrglaube lernte ich schnell. Genauso, dass Protokolle gelesen werden.
Ich hab alle mir bekannten (und neu kennengelernte) Pferdezeitschriften angeschrieben, damit die Veranstaltung bei ihnen im Terminkalender aufgeführt wurde. Und sie veröffentlichten es alle. Ich war platt, hab ich eigentlich nicht gedacht.
Ich hab die gewünschten Texte für die Presse verfasst, die dann von ihnen nicht verwendet wurden, genauso wie das Programmheft der Gartenschau. Erst heißt es, sie brauchen unbedingt, man besorgt Fotos und verfasst Texte und dann? Nichts von meinen Sachen, aber von den Teilnehmern angemault werden, wieso sie nicht erwähnt sind! Kann ich da was dafür?
Leider sprangen dann noch so kurz vor knapp manche Programmpunkte wieder ab.Unser Sprecher verabschiedete sich auch einige Wochen vor dem Termin. Super. Wir fanden natürlich niemanden mehr, der das machen wollte. Also kam zu allen anderen Sachen auch noch das, zu Manfreds und meinen Aufgaben.

Horber Pferdetage 2011 mit dem ETCD - 03

Ich hatte ja die schöne Idee, dass wir eine Rassenvorstellung machen könnten. Immerhin waren 19 verschiedene Pferderassen an dem Wochenende vertreten. Also schrieb ich tapfer Rasseportraits. Das Internet hat da ja schon Vor- und Nachteile. Ich fand zwar immer unheimlich viel zu den einzelnen Rassen, aber jetzt musste ich das zusammenkürzen. Und was ist jetzt wichtig und was nicht? Ich kürzte tapfer. Musste aber feststellen, dass es immer noch viel zu viel war, also noch mal kürzen. So langsam litt ich an Schlafentzug. Zwei Freundinnen standen mir schreibenderweise tapfer zur Seite und es gingen fröhlich E-Mails bis weit nach Mitternacht zwischen uns hin und her.
Um das nützliche mit dem schönen zu verbinden, kamen Manfred und ich auf die Idee, Besprechungen vom Pferderücken aus zu machen. Sprich wir gingen gemeinsam Ausreiten und besprachen nebenher unsere noch zu erledigenden Aufgaben. Ein gutes Gedächtnis und Diktiergerät machen so was möglich. Und unsere Pferde bekamen uns doch ab und zu mal bei Tageslicht zu Gesicht und wurden gleichzeitig bewegt.
Denke wir Zwei waren ein gutes Team. Er hatte die guten Kontakte zur Stadt und zu den Gartenschauleuten und übernahm die ganzen Sachen für die Kutschfahrer. Ich hatte die Kontakte zu den Reitersleuten und kam mit dem Computer und alles drum rum gut klar.
Wow, das Haupt- und Landgestüt Marbach meldete sich ca. 2 Wochen vor dem Veranstaltungstermin. Sie haben anfragt, ob sie auch mitmachen dürfen. Klar doch, musste zwar dann meinen Zeitplan noch mal umwerfen und die Leute belabern, die die Infostände hatten, dass sie etwas zusammenrücken, damit die auch noch einen Stand bekommen, aber das macht man so langsam mit links.
Wegen der Veranstaltung hab ich jetzt endlich auch noch gelernt, wie man Musikstücke am Computer bearbeitet, zusammenschneidet, ein Vorspiel anhängt, die Stücke auf eine gleiche Lautstärke bekommt usw.
Petrus war uns auch nicht gerade zugetan. Jeder weiß ja wie der Juli so war ... Tage vor der Veranstaltung war nur noch Regen angesagt. Als wir Freitags die Stände aufbauten, Paddocks steckten und den Turnierplatz einzäunten, wurden wir wunderbar von oben geduscht. Der Vorführring schwamm regelrecht im Wasser! Oh je! Ob das bis zum nächsten Tag tatsächlich wieder abtrocknet???

Übrigens, wir haben es geschafft, ein 8-stündiges Programm, das sich nicht wiederholt, auf die Beine zu stellen. Dazu noch parallel Vorführungen in der Hufbehandlung, Informationen zum Thema Dentalpflege bei Pferden und einige Pferdebuchautoren/innen aus der Region und und und….
Glaubt ihr mir, dass ich nicht mehr schlafen konnte?! Geht alles gut? Macht das Wetter mit? Kommen auch tatsächlich alle, die zugesagt haben? Hab ich irgend was vergessen?
Es kamen alle! Und pünktlich! Und das Programm lief wie mit einer Stoppuhr kontrolliert. Jeder war im richtigen Augenblick zur Stelle, machte sein Showprogramm tatsächlich so lange wie gesagt:

Für den Trekkingclub kamen Franz und Irmgard Bosch mit ihren Achal Tekkingern aus Ulm für uns her-gefahren. Die zwei machten mit ihren Vierbeinern eine super Show.

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Nicht nur, dass sie und ihre Pferde spitze gekleidet sind, sie hatten auch Unmengen von Showtricks. Und Franz demonstrierte und erzählte in einem anderen Programmpunkt noch sehr anschaulich zum Thema Wanderreiten. Chris, Bernie und Stefanie Rahtgeber zeigten mit ihren Vierbeinern die verschiedenen Gangpferderassen und wieso sie Gangpferde heißen. Alle Trekkingpferde waren natürlich bei der Rassenshow mit dabei. Und natürlich hatte der Trekkingclub auch einen super Stand, wo man rund um den Verein und das Wanderreiten beraten wurde.

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Tamino und ich waren auch nicht gerade untätig. Ich kam mir vor, als ob ich meinen kompletten Hausstand, besonders meinen Kleiderschrank mit dabei hatte. 3x unterschiedliche Kostüme, Damensattelreiten zusam-men mit Lea Bouctot aus Glatten, ein barockes Showbild wo Dorothee Pellny ihren Portugiesen unterm Sattel und ich zwei Tänze aus der Barockzeit zeigte. Und ich kann nur sagen, auf einer Wiese zu tanzen ist gar nicht so einfach, ich hab mir sehnlichst einen ordentlichen Parkettboden für mich herbeigewünscht.

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Und bei den 19. Jahrhundertleuten waren wir auch noch mit dabei. Beim Rassebild durfte Tamino auch nicht fehlen. Der Clou war, dass ich einmal vom Pferd aus moderierte. Tamino hat auch diese Aufgabe brav mitgemacht. Nebenher ging er auch ab und zu ein bisschen als Versuchspferdchen mit. Einige Zuschauer ließen die Gelegenheit in einem Damensattel eine Runde zu drehen nicht ungenutzt an sich vorbeigehen.

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Manfred musste als Sprecher einen Großteil der Programmpunkte vorstellen. Der Arme, uns blieb keine Zeit, dass er die Texte vorher mal lesen konnte, geschweige sich mit den oft zungenbrecherischen Pferdenamen oder Rassebezeichnungen auseinander zu setzen. Er nahm es mit Humor.

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Und all die anderen die dabei waren, jetzt könnte ich noch seitenweise erzählen.
Eröffnet haben an beiden Tagen die Jagdhornbläser vom Schloss Weitenburg und Nordstetten. Edith Lipp war mit vielen Leuten aus ihrem Stall und den Araberpferden mit dabei. Sie demonstrierten mit ihren Vierbeinern die Klassische Dressur, Westernreiten und Distanzreiten, außerdem sie waren immer hilfsbereit überall da wo man sie brauchte. Vom Camarguehof aus Nordstetten war Jean Pierre Godest und seine Leute mit dabei, von der Arbeitsreitweise, Blumensträuße aus dem Galopp vom Boden aufheben bis zur Freiheitsdressur, die weißen Schönheiten der Camargue machten alles souverän. Aus dem Raum Nagold war die Reitschule Jost mit einer Vorführung der natürlich klassischen Dressur mit dabei und ihr reitender Clown zeigte akrobatische Kunststücke mit seinem Pferd. Annette Stoklossa zeigte mit ihren Mädels was beim Voltigieren so alles möglich ist und die Zuschauer hatten auch die Möglichkeit sich im Voltigieren zu versuchen. Es standen immer Schlangen von Kindern da, um mitzumachen. Marbach war mit einer Vorführung am Langen Zügel mit dabei und das Goldene Vlies aus Horb zeigte verschiedene Showelemente vom Boden und vom Sattel aus. Jessica von Ostaeyen erklärte Physio am Pferd und hatte dabei viele aufmerksam lauschende Zuschauer. Die Fam. Bäuerle zeigte mit ihren Pferden und ihrem Hund ein buntes Repertoire von Zirkuslektionen. Und meine Freundin Petra Haller war mit zig Leuten aus Villingen-Schwenningen angereist und zeigte und erklärte die Kleidung des späten 19. Jahrhunderts. Zum Abschluss war Manfred Bok als St. Georg zu sehen und er hat jeden Tag den Holzdrachen mit einem perfekten Lanzenstoß zur Strecke gebracht.

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Samstag waren schon ganz nett Zuschauer da. Aber Sonntags kam man irgendwann kaum noch vom Paddock zum Showring. Die Leute stapelten sich fast. Ich wüsste jetzt nur zu gerne, wie viele von den Zuschauern zufällig, da sie die Gartenschau sehen wollten, und wie viele wegen den Pferdetagen gekommen sind. Aber das Geheimnis werde ich wohl nicht lüften können. Und es ist nichts passiert. Keine Verletzten, nichts kaputt gegangen.

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Die örtliche Presse berichtete begeistert von dem Pferdischen Wochenende. Man wurde ein paar Tage danach von Leuten angesprochen, die man gar nicht kannte. Was will man mehr!

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